Fragen & Antworten
Ausgangslage
Heute befinden sich auf dem Grundstück mitten im Dorfzentrum das Wohnhaus und das Materiallager der früheren Gärtnerei, eine eingezäunte Grünfläche, 20 Garagenboxen und zwei Autowaschanlagen. Das Areal in unmittelbarer Nähe zum ÖV und zu Einkaufsmöglichkeiten baulich besser zu nutzen, entspricht dem Ziel der Siedlungsentwicklung nach Innen und dem Gebot des haushälterischen Umgangs mit der knappen Ressource Boden.
Das Siedlungsgebiet der Gemeinde ist begrenzt. Deshalb ist es wichtig, das vorhandene Potenzial für eine Siedlungsentwicklung nach innen zu nutzen. Wenn neue Wohnungen an zentraler, gut erschlossener Lage entstehen, verhindert dies die Zersiedelung an den Ortsrändern und verringert das durch die neue Überbauung erzeugte Verkehrsaufkommen. Deshalb sieht der kantonale Richtplan für Umzonungen im Zentrum von Bremgarten eine Geschossflächenziffer von mindestens 0.55. Mehrgeschossige Gebäude schaffen viel Wohnraum auf wenig Fläche, womit Platz für attraktive Aussen- und Grünräume bleibt.
Eine gesunde Zentrumsentwicklung ist für die Gemeinde Bremgarten eminent wichtig. Die rund 55 neuen Haushalte beleben das Zentrum und erhöhen die Nachfrage nach Dienstleistungen und Gewerbe. Bereits liegt eine Absichtserklärung von Ärztinnen und Ärzten vor, die im Neubau am Dorfplatz ein Ärztezentrum einrichten wollen. Für Bremgarten wäre dies ein grosser Gewinn. Heute gibt es in der Gemeinde nur noch einen Hausarzt, der entsprechend ausgelastet ist.
Für den Erhalt und den Ausbau des lokalen Versorgungsangebots ist die Gemeinde auf eine demografisch ausgewogene Bevölkerungsentwicklung angewiesen. Der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner über 60 Jahre ist in Bremgarten hoch. Es gibt viele Ein- und Zweifamilienhäuser (rund zwei Drittel). Die neue Überbauung schafft den Wohnraum, den Bremgarten benötigt: Kleinwohnungen, Familienwohnungen und mindestens 50 Prozent altersgerechte Wohnungen mit gutem Standard und kurzen hindernisfreien Wegen zu Einkauf, Freizeit, Erholung und ÖV. Finden Seniorinnen und Senioren in ihrer vertrauten Gemeinde eine geeignete Wohnung, können junge Familien in die freiwerdenden Einfamilienhäuser einziehen.
Ohne Massnahmen gegen die Überalterung reduziert sich die ständige Wohnbevölkerung Bremgartens gemäss Wüest Partner bis 2055 um 15 Prozent. In den letzten 15 Jahren hat sich die ständige Wohnbevölkerung zwischen 4'100 und 4'400 Einwohnenden eingependelt. Die prognostizierte Entwicklung ist typisch für Gemeinden mit hohem Anteil an Wohneigentum und wenig Neubauten. Junge Familien finden kaum passende Einfamilienhäuser, während ältere Menschen zu wenig alternative Wohnangebote haben. Nimmt die Bevölkerung ab, sinkt die Nachfrage nach Dienstleistungen und Gewerbe und das Versorgungsangebot dünnt schleichend aus.
Das eingezäunte Areal ist in der heutigen Form ökologisch nicht von besonderer Bedeutung und geniesst keinen Schutzstatus.
Boden: Ein unabhängiges Gutachten hat ergeben, dass die obere Bodenschicht mit Zink, Quecksilber, Schwermetallen und PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet ist. Die Prüfwerte für diese Stoffe wurden an allen Probestellen überschritten. Der Oberboden der bestehenden Grünfläche muss im Fall einer Nutzung als Spiel- oder Aufenthaltsfläche ersetzt werden. Die Kosten für die Bodensanierung übernimmt die Bauherrschaft.
Hecken: Abgesehen von der Hecke zum Unterstufenareal gibt es keine geschützten Einzelgehölze, Gehölzbestände oder andere wertvolle Naturobjekte. Die geschützte Hecke mit teilweise vorhandenem Krautsaum ist heute gemäss Fachbericht durch die Garagen «erheblich eingeschränkt und gestört». Zum Teil stellt der Bericht im Areal eine «starke Vergandung» mit hohem Anteil exotischer Pflanzen fest. Mit der neuen Überbauung wird die Hecke mit Krautsaum ersetzt und erhält den nötigen Raum.
Biodiversität: Rund zwei Drittel des Grundstücks werden nicht bebaut. Damit bleiben wesentliche Teile der Grün- und Freiflächen sowie ein Teil des alten Baumbestandes zum Einfamilienhausquartier erhalten. Die grosszügigen Grün- und Freiflächen der neuen Überbauung werden nach aktuellem Standard der Biodiversität mit einheimischen, standortgerechten Pflanzen und Bäumen gestaltet. Mit der hinteren Arealfläche und den Vorgärten mit Steinmauern zur Chutzenstrasse gibt es weiterhin Trittsteinbiotope, also inselartige Lebensräume für Kleintiere und Pflanzen. Sie wirken wie Sprungbretter, damit sich die Arten ausbreiten können. Die Kommission für Natur und Landschaft arbeitet in der Gemeinde seit langem darauf hin, dass zwischen Hoger und Aare ein Vernetzungskorridor für Kleintiere und Pflanzen entsteht. Ein solcher Korridor besteht heute nur teilweise.
Lokalklima I: Das Regenwasser soll in der neuen Überbauung vor Ort gespeichert, versickert und verdunstet werden. Das kühlt die Luft und entlastet die Kanalisation. Die aufgewerteten Grün- und Freiräume und die überwiegend wasserdurchlässigen Beläge entsprechen flächenmässig dem bisherigen unbebauten Arealteil.
Lokalklima II: Zusätzlich zur Arealentwicklung plant die Gemeinde, das Unterstufenareal teilweise zu entsiegeln und ökologisch aufzuwerten. Die Grün- und Freiflächen der neuen Überbauung verbessern zusammen mit der beabsichtigten Aufwertung des Schulareals das Lokalklima gegenüber der heutigen Situation mit Gärtnerei, Waschanlage, Garagenboxen und versiegeltem Schulareal.
Im Rahmen eines qualitätssichernden Verfahrens (einstufiger Studienauftrag) prüfte eine breit abgestützte Jury fünf Vorschläge für eine ortsbaulich überzeugende Überbauung mit hochwertigen Wohn- und Aussenräumen. Einstimmig kürte sie das Projekt «Chambre Végétale» von Camponovo Baumgartner / studio supra und Eder Landschaftsarchitektur zur besten Lösung. Das Beurteilungsgremium bestand aus Vertretern der Gemeinde, der Pensionskasse der Technischen Verbände (PTV) als Eigentümerin des Grundstücks und Bauherrin sowie aus Architekten und einer Landschaftsarchitektin. Das Gremium zog Expertinnen und Experten aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Raumplanung, Landschaftsplanung, Bauökonomie sowie Vertreterinnen der Kommission für Natur und Landschaft bei.
Das Siegerprojekt bildet die Grundlage für die Anpassung der baurechtlichen Grundordnung. Das ausgewählte Projekt weist 3- bis 5-geschossige Bauten auf. Für die Arealentwicklung muss die bestehenden Zone mit Planungspflicht (ZPP) angepasst und die Einfamilienhausparzelle Lindenstrasse 27 integriert werden. Dazu wird eine öffentliche Mitwirkung stattfinden und die Vorlage anschliesend gestützt auf die Ergebnisse bereinigt. Über die Änderung der ZPP entscheiden die Stimmberechtigten voraussichtlich im Dezember 2027. Im Fall der Zustimmung erlässt der Gemeinderat anschliessend eine dem Projekt entsprechende Überbauungsordnung. Wird diese vom Kanton genehmigt, starten die Bauarbeiten voraussichtlich 2030.
Die Kommission für Natur und Landschaft vertritt zusammengefasst folgende Position: Im Dilemma zwischen Erhalt von Grünflächen und der offensichtlichen Notwendigkeit, in gut erschlossenen Zentren benötigten Wohnraum zu schaffen, ist das vorliegende Projekt die beste Lösung: Von allen Projekten ist es jenes, bei dem am meisten Grün erhalten bleibt und die grösste Grünfläche ausgewiesen wird.
Findet die Änderung der baurechtlichen Grundordnung keine Zustimmung, kann das Areal nach gültiger Bauordnung mit zweigeschossigen Gebäuden überbaut werden. Die überbaute Fläche wird dadurch tendenziell grösser und die verbleibenden Frei- und Grünräume kleiner als mit der geplanten kompakten Bebauung.
Die nächste Waschanlage befindet sich im nahen Herrenschwanden. Es ist vorgegeben, Autos in dafür vorgesehenen Anlagen zu waschen und nicht auf privaten Vorplätzen von Häusern. Eine Waschanlage an bester Lage im Dorfzentrum zu erhalten, ist aber nicht eine öffentliche Aufgabe.
Das Grundstück befindet sich im Eigentum der Pensionskasse der Technischen Verbände (PTV), die mit der Gemeinde Bremgarten bereits verbunden und Eigentümerin von zwei Mehrfamilienhäusern an der Seftaustrasse 38 und 40 ist. Die Wohnprojekte der PTV zeichnen sich durch naturnahe Aussenräume, architektonische Qualität und eine nachhaltige Bauweise ebenso aus wie durch eine CO₂-freie Energieversorgung und ein Gespür für den ortsbaulichen Kontext.
Projekt
Geplant sind vier Gebäude, die im westlichen Teil des Areals entlang der Chutzenstrasse gestaffelt angeordnet sind. So bleiben die grosszügigen Frei- und Grünflächen und ein Teil des Baum- und Gehölzbestandes zum Einfamilienhausquartier hin erhalten. Dank ihrer unterschiedlichen Höhen fügen sich die Neubauten sorgfältig in die Umgebung ein und schaffen abgestufte Übergänge: Das Gebäude zum Einfamilienhausquartier umfasst drei Geschosse. Das Haus Chutzen-/Lindenstrasse zählt vier Geschosse, die beiden an den Dorfplatz anschliessenden Gebäude sind fünfgeschossig.
Die Häuser entstehen als Holz-Hybridkonstruktion und umfassen insgesamt rund 55 Wohnungen. Die gedeckten Balkone lockern die Fassaden auf und beleben das Zentrum. Der heute zur Autowaschanlage ausfransende Dorfplatz wird durch den Neubau am Platz klar abgeschlossen.
Im Erdgeschoss des Gebäudes am Platz befindet sich das Ärztezentrum. Davor entsteht ein zusammenhängender Raum mit schattenspendenden Bäumen, der einen identitätsstiftenden Mittelpunkt im Zentrum von Bremgarten bildet. Bremgarten erhält einen klar erkennbaren Dorfplatz.
Die Ränder der Überbauung werden – wie im Quartier üblich – als Vorgärten gestaltet. Sie sind biodivers bepflanzt und mit Steinmauern eingefasst, die zugleich als Sitzgelegenheiten für die Öffentlichkeit dienen. Das Trottoir entlang der Chutzenstrasse wird verbreitert.
Geplant sind vorwiegend 2 ½-, 3 ½- und 4 ½-Zimmerwohnungen. Hauptzielgruppe sind Familien sowie Seniorinnen und Senioren. Altersgerechte Wohnungen sind in Bremgarten besonders gesucht. Für die bestehenden 24 Alterswohnungen an der Chutzenstrasse 1 gibt es eine Warteliste.
Angeboten werden die Wohnungen zu ortsüblichen Mieten; es entstehen also keine überteuerten Wohnungen. Für die Kostenmiete – die Mieterinnen und Mieter zahlen nur so viel, wie die Wohnung tatsächlich kostet – sind Neubauten an zentraler Wohnlage in unmittelbarer Nähe zu ÖV und Einkaufsmöglichkeiten aber ungeeignet. In der Gemeinde gibt es in älteren Liegenschaften und Hochhäusern preisgünstige Wohnungen.
Die Wohnungen sind über offene Lauben zugänglich und jeweils auf zwei oder drei Seiten natürlich belichtet. Zum Laubengang befinden sich entweder Entrées oder Essküchen, während Wohn- und Schlafräume an den Fassaden ohne Einblick vom Laubengang liegen.
Im Erdgeschoss des Gebäudes am Dorfplatz ist ein Ärztezentrum geplant. Möglich sind auch andere stille gewerbliche Nutzungen, die sich ohne grösseren Umbau in der Struktur von Wohnungsgrundrissen einrichten lassen. Denkbar sind zum Beispiel Therapieangebote, Architekturbüros oder Versicherungsberatungen. Alle eventuell angebotenen Leistungen hängen davon ab, ob in Bremgarten dauerhaft genügend Nachfrage besteht. Hierfür ist eine demografisch ausgewogene Bevölkerungsentwicklung entscheidend.
Das Projekt wurde in einem qualitätssichernden Verfahren erarbeitet und ist daraus als Sieger hervorgegangen. Die Jury hat die Frage der ortsbaulichen Verträglichkeit zusammen mit beigezogenen Expertinnen und Experten im Detail abgeklärt. Im Schlussbericht zum Studienauftrag kommt sie zum Schluss: «Das Projekt überzeugt durch seine sorgfältige Ausarbeitung, den respektvollen Umgang mit dem dörflichen Kontext und den Erhalt des östlichen Chutzengartens.»
Die Neubauten orientieren sich an den benachbarten Gebäuden im Zentrum und auf der gegenüberliegenden Seite der Chutzenstrasse. An der Kalchackerstrasse befinden sich der mehrgeschossige Kalchackermärit und die Kalchackerhofsiedlung. Auch an der Chutzenstrassee stehen bis hinauf zum Gemeindezentrum höhere Gebäude. Hinten bei der Johanniterstrasse sind zweigeschossige Bauten mit ausgebauten Dachgeschoss zu finden.
Die Überbauung wirkt stimmig und gut integriert. Die Zwischenräume zwischen den Neubauten bilden Wohngassen und eröffnen Durchblicke. Durch die Anordnung der Neubauten im Arealteil entlang der Chutzenstrasse entsteht ein grosszügiger Abstand von mehr als 30 Metern zu den angrenzenden Einfamilienhäusern, wodurch ein Schattenwurf auf die Einfamilienhäuser vermieden werden kann.
Die meisten Gebäude und Häuserzeilen in der Gemeinde orientieren sich an der früheren Parzellierung der Feld- und Flurwirtschaft. Oberhalb der Kalchackerstrasse bestimmt ein rechtwinkliges, an die Topografie angepasstes Raster die Struktur. Die Chutzenstrasse verläuft leicht schräg dazu. Südlich der Kalchackerstrasse dreht sich die Bebauung und richtet sich stärker an der Strasse aus.
Die neue Überbauung fügt sich ins Raster des Quartiers ein. Durch die gestaffelten Gebäude entstehen entlang der Strasse ortstypische nischenhafte Freiräume. Der Strassenraum wird nicht als Korridor, sondern als Abfolge offener Räume verstanden. Entlang der Kalchackerstrasse wird die bestehende, gestaffelte Bebauung fortgesetzt und durch den neuen Dorfplatz in das Quartier eingebunden.
Rund zwei Drittel der Grundstücksfläche bleiben unbebaut. Möglich ist dies dank der kompakten Anordnung der Neubauten im Arealteil entlang der Chutzenstrasse. Die parkähnliche Ausgestaltung der Grün- und Freiräume mit bestehendem Gehölz- und Baumbestand zum Einfamilienhausquartier bilden das Herzstück des Aussenraums. Der grösste Teil des Freiraums bleibt unversiegelt.
Die Erschliessung erfolgt ab der Chutzenstrasse in eine unterirdische Einstellhalle. Wo genau sich die Einfahrt befindet, ist noch nicht definitiv geklärt. In der Tiefgarage sind 0.7 Parkplätze pro Wohnung, was innerhalb der zulässigen Bandbreite von 0.25 bis 2 Abstellplätze gemäss kantonalem Baugesetz liegt. Konkret sind gemäss aktuellem Planungsstand 37 Parkplätze vorgesehen und zusätzlich 8 Parkplätze für die Gewerbenutzung. Für Velos stehen überdurchschnittlich viele Abstellplätze zur Verfügung, oberirdisch und im Untergeschoss. Für Autos und Velos gibt es ausreichend Lademöglichkeiten. Entlang der Chutzenstrasse sind fünf Besucherparkplätze vorgesehen.
Die zentrale Lage reduziert den Bedarf an Autofahrten deutlich. Einkaufsmöglichkeiten, Schule, Sport und Arzt sind bequem zu Fuss erreichbar – ideale Bedingungen für autofreies Wohnen. In der Nähe gibt es zudem einen Mobility- und einen PubliBike-Standort. Auch die begrenzte Anzahl Wohnungen, davon die Hälfte für ältere Menschen, hält den Mehrverkehr gering. Zusätzlich entfallen künftig die Fahrten zu den 20 Garagenboxen und Autowaschanlagen.
Mit zusätzlichem Verkehrslärm ist aufgrund des Geschwindigkeitsregimes (Tempo 20 und 30) und der kurzen Strecke ab dem Abbieger zur Einfahrt der Tiefgarage nicht zu rechnen. Auch die Schulwegsicherheit ist gewährleistet. Das Trottoir auf der Seite der neuen Überbauung wird verbreitert.
Im Rahmen der Projektplanung wird geprüft, ob der Anschluss an den geplanten Wärmeverbund der Gemeinde möglich ist. Voraussetzung sind die zeitliche Kompatibilität mit dem Projektfahrplan sowie die Kosten. Alternativ werden Warmwasser und Heizwärme mittels CO2-freien Wärmepumpen mit Erdsonden gewonnen.
Den Strom liefern Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Die als Verbund organisierten 55 Haushalte plus Gewerbefläche nutzen den Solarstrom gemeinsam (ZEV: Zusammenschluss zum Eigenverbrauch). So wird der vor Ort produzierte Strom auch hier verbraucht. Die gewählte Energieversorgung stellt den CO2-freien Betriebe der Überbauung sicher.
Die vier geplanten Häuser sind Holz-Hybridkonstruktionen – Holz wird also mit Beton und anderen Baustoffen kombiniert. Diese Bauweise verringert den CO2-Fussabdruck gegenüber reinen Betonbauten markant. Konkret ist ein Stützen-Platten-System mit Holz-Beton-Verbunddecken geplant, das thermische Speichermasse schafft. Die Fassaden sind als leichte Holzrahmenelemente konzipiert und auf der Innenseite mit raumklimatisch regulierenden Lehmbauplatten ausgestattet. Das spart Heiz- und Kühlenergie. Durch die geometrische Ausgestaltung der Gebäude lassen sich die ökonomischen Vorteile der effizienten Holz-Hybridkonstruktionen optimal ausnutzen. Die Haustechnik verfolgt einen Low-Tech-Ansatz: Statt einer kontrollierten Einzelraumlüftung gibt es in den Wohnungen ein einfaches Zu- und Abluft-System vorgesehen.
Die Frei- und Grünflächen werden naturnah und biodivers gestaltet. Die grosszügigen Grünflächen in der neuen Überbauung werden mit einheimischen, standortgerechten Pflanzen und Bäumen gestaltet. Heute weist das Areal teilweise einen hohen Anteil an exotischen Pflanzen auf. Die Bäume, der aufgewertete Grünraum und die biodivers bepflanzten Vorgärten mit Steinmauern an den Rändern der Überbauung stärken den für Kleintiere und Pflanzen wichtigen Vernetzungskorridor zwischen Hoger und Aare.
Das Regenwasser soll in der neuen Überbauung vor Ort gespeichert, versickert und verdunstet werden. Das kühlt die Luft und entlastet die Kanalisation. Indem das Dachwasser direkt in Retentionsmulden fliesst und der Regen in Wassertonnen gesammelt wird, hat jedes Gebäude genug Wasser für die Bewässerung des Gartens. Die naturnahen Grün- und Freiräume mit überwiegend wasserdurchlässigen Belägen ersetzen die bisherige unversiegelte Fläche ungefähr in gleicher Grösse.
Zusätzlich zur Arealentwicklung plant die Gemeinde, das Unterstufenareal teilweise zu entsiegeln und ökologisch aufzuwerten. Die Grün- und Freiflächen der neuen Überbauung im Zusammenspiel mit der beabsichtigten Aufwertung des Schulareals verbessern das Lokalklima gegenüber der heutigen Situation mit Gärtnerei, Waschanlage, Garagenboxen und versiegeltem Schulareal.
Die geplante Überbauung erfüllt in mehrfacher Hinsicht die Ziele der Nachhaltigkeit. An zentraler Lage entsteht dringend benötigter Wohnraum in ökologischer Bauweise und mit hohem Anteil emissionsfreier Mobilität. Die kompakte Anordnung der Gebäude, flächeneffiziente Wohnungsgrundrisse sowie langlebige und unterhaltsarme Materialien schonen die Ressourcen. Die unterbaute Fläche liegt weitgehend unter den Gebäuden, wodurch in weiten Teilen des Areals genügend Wasser versickern kann (Schwammstadt-Prinzip). Der ökologisch hochwertige Grünraum fördert die Biodiversität. Offene Vorzonen, Laubengänge, Wohngassen und die Öffnung zum Dorfplatz begünstigen den sozialen Austausch. Für die Überbauung wird ein Label nach SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz) angestrebt. Dies wird im Rahmen der weiteren Projektbearbeitung vertieft.
Nutzen für die Gemeinde
Die Überbauung belebt das Dorfzentrum und verleiht ihm Profil, Identität und neue Impulse. Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe profitieren von der erhöhten Nachfrage. Die Bevölkerung erhält ein Ärztezentrum, einen einladenden Dorfplatz und ein gestärktes lokales Versorgungsangebot.
Mit der Überbauung entsteht der Wohnraum, den Bremgarten benötigt: Familien- und altersgerechte Wohnungen. Finden Seniorinnen und Senioren in ihrer vertrauten Gemeinde eine geeignete Wohnung, können junge Familien in die freiwerdenden Einfamilienhäuser einziehen. Für den Erhalt und den Ausbau des lokalen Versorgungsangebots ist Bremgarten auf eine demografisch ausgewogene Bevölkerungsentwicklung angewiesen. Ohne Massnahmen gegen die Überalterung nimmt die ständige Wohnbevölkerung ab und das Versorgungsangebot dünnt aus.
Die bauliche Innenentwicklung des Areals an zentraler Lage entspricht dem Gebot der haushälterischen Bodennutzung. Dank der kompakten Anordnung der Gebäude im Arealteil entlang der Chutzenstrasse bleiben wesentliche Teile der Grün- und Freiflächen sowie ein Teil des alten Baumbestandes zum Einfamilienhausquartier erhalten.
Geringer Fussabdruck pro Kopf, Gebäude nach neustem energetischen Standard, hochwertige Aussenräume, Schwammstadt-Prinzip, hoher Anteil an emissionsfreier Mobilität: Die Überbauung entspricht den Zielen der Gemeinde für eine ressourcenschonende Weiterentwicklung.
Mit der Umgestaltung der Chutzenstrasse hat die Gemeinde 1999 begonnen, das Zentrum aufzuwerten. Später sanierte der Kanton die Kalchackerstrasse und führte die Begegnungszone ein. Es folgten Pavillon, Brunnen und Aussenbestuhlung sowie die Aufwertung des Schneckenbrunnen-Platzes. Die neue Überbauung vervollständigt diese Bemühungen: Der heute zur Autowaschanlage ausfransende Dorfplatz wird mit Bäumen ergänzt und durch den Neubau am Platz klar abgeschlossen.
Zusätzlich ist die Neugestaltung des Unterstufenareals geplant. Der Gemeinderat entscheidet voraussichtlich im Spätsommer 2026 über das weitere Vorgehen. Ziel ist es, Teile des Schulareals zu entsiegeln und ökologisch aufzuwerten. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten zum Spielen und Bewegen.
Unter dem Strich ist mit einem positiven Effekt zu rechnen. Aufgrund der rund 55 neuen Haushalte ist mit rund 90 steuerpflichtigen Personen beziehungsweise mit einem zusätzlichen Steuerertrag von CHF 315'000 zu rechnen. Rund 60 Prozent der zusätzlichen Einnahmen oder CHF 190'000 fliessen in Form gebundener Kantonsbeiträge wieder ab. Der zusätzliche Steuerertrag durch ein Ärztezentrum lässt sich im Moment noch nicht abschätzen.
Zu den höheren Steuereinnahmen kommt die Mehrwertabgabe hinzu. Die Grundeigentümer müssen eine Abgabe für die Planungsmehrwerte bezahlen, die aufgrund der höheren Nutzung des Gebietes entsteht. Die Höhe der Mehrwertabgabe beträgt dabei 20 Prozent, bei einer Freigrenze von CHF 40'000. Die Mehrwertabgabe fliesst in eine Spezialfinanzierung. Definitiv festgelegt wird die Höhe der Mehrwertabgabe zum Zeitpunkt der Plangenehmigung. Die dannzumaligen Landwerte werden die Grundlagen der Berechnung sein.
Die Überbauung löst für die Gemeinde unmittelbar keine steuerfinanzierten Infrastrukturkosten aus. Auf die Schulraumplanung dürfte der Effekt klein sein. Die Schüler- und Schülerinnenzahlen sind derzeit tendenziell rückläufig.