Das Projekt
Die neuen Häuser stehen gestaffelt entlang der Chutzenstrasse und fügen sich dank unterschiedlichen Höhen in die Umgebung ein. Das Gebäude zum Einfamilienhausquartier hat drei und das Haus an der Ecke Chutzen-/Lindenstrasse vier Geschosse. Die beiden zum Dorfplatz ausgerichteten Gebäude sind fünfgeschossig. Im Erdgeschoss des Neubaus direkt am Platz ist ein Ärztezentrum geplant.
Die Ränder der Überbauung werden – wie im Quartier üblich – als Vorgärten gestaltet. Sie sind biodivers bepflanzt und mit Steinmauern eingefasst, die zugleich als Sitzgelegenheiten für die Öffentlichkeit dienen. Das Trottoir entlang der Chutzenstrasse wird verbreitert. Offene Vorzonen, Laubengänge, Wohngassen und die Öffnung zum Dorfplatz begünstigen den sozialen Austausch.
Der heute zur Autowaschanlage ausfransende Dorfplatz wird durch den Neubau am Platz abgeschlossen. Bremgarten erhält einen klar erkennbaren Dorfplatz mit Schatten spendenden Bäumen und einladenden Orten zum Verweilen. Über die Strasse hinweg entsteht ein zusammenhängender Raum, der im Zentrum der Gemeinde einen identitätsstiftenden Mittelpunkt bildet.
Rund zwei Drittel der Grundstücksfläche bleiben unbebaut. Die Frei- und Grünflächen werden naturnah und biodivers gestaltet. Das Regenwasser soll vor Ort gespeichert, versickert und verdunstet werden.
Die grosszügigen Grün- und Freiräume verbessern zusammen mit der beabsichtigten Aufwertung des Schulareals das Lokalklima gegenüber heute.
Fragen & Antworten
Geplant sind vorwiegend 2 ½-, 3 ½- und 4 ½-Zimmerwohnungen. Hauptzielgruppe sind Familien sowie Seniorinnen und Senioren. Altersgerechte Wohnungen sind in Bremgarten besonders gesucht. Für die bestehenden 24 Alterswohnungen an der Chutzenstrasse 1 gibt es eine Warteliste.
Angeboten werden die Wohnungen zu ortsüblichen Mieten; es entstehen also keine überteuerten Wohnungen. Für die Kostenmiete – die Mieterinnen und Mieter zahlen nur so viel, wie die Wohnung tatsächlich kostet – sind Neubauten an zentraler Wohnlage in unmittelbarer Nähe zu ÖV und Einkaufsmöglichkeiten aber ungeeignet. In der Gemeinde gibt es in älteren Liegenschaften und Hochhäusern preisgünstige Wohnungen.
Die Wohnungen sind über offene Lauben zugänglich und jeweils auf zwei oder drei Seiten natürlich belichtet. Zum Laubengang befinden sich entweder Entrées oder Essküchen, während Wohn- und Schlafräume an den Fassaden ohne Einblick vom Laubengang liegen.
Das Projekt wurde in einem qualitätssichernden Verfahren erarbeitet und ist daraus als Sieger hervorgegangen. Die Jury hat die Frage der ortsbaulichen Verträglichkeit zusammen mit beigezogenen Expertinnen und Experten im Detail abgeklärt. Im Schlussbericht zum Studienauftrag kommt sie zum Schluss: «Das Projekt überzeugt durch seine sorgfältige Ausarbeitung, den respektvollen Umgang mit dem dörflichen Kontext und den Erhalt des östlichen Chutzengartens.»
Die Neubauten orientieren sich an den benachbarten Gebäuden im Zentrum und auf der gegenüberliegenden Seite der Chutzenstrasse. An der Kalchackerstrasse befinden sich der mehrgeschossige Kalchackermärit und die Kalchackerhofsiedlung. Auch an der Chutzenstrassee stehen bis hinauf zum Gemeindezentrum höhere Gebäude. Hinten bei der Johanniterstrasse sind zweigeschossige Bauten mit ausgebauten Dachgeschoss zu finden.
Die Überbauung wirkt stimmig und gut integriert. Die Zwischenräume zwischen den Neubauten bilden Wohngassen und eröffnen Durchblicke. Durch die Anordnung der Neubauten im Arealteil entlang der Chutzenstrasse entsteht ein grosszügiger Abstand von mehr als 30 Metern zu den angrenzenden Einfamilienhäusern, wodurch ein Schattenwurf auf die Einfamilienhäuser vermieden werden kann.
Im Rahmen der Projektplanung wird geprüft, ob der Anschluss an den geplanten Wärmeverbund der Gemeinde möglich ist. Voraussetzung sind die zeitliche Kompatibilität mit dem Projektfahrplan sowie die Kosten. Alternativ werden Warmwasser und Heizwärme mittels CO2-freien Wärmepumpen mit Erdsonden gewonnen.
Den Strom liefern Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Die als Verbund organisierten 55 Haushalte plus Gewerbefläche nutzen den Solarstrom gemeinsam (ZEV: Zusammenschluss zum Eigenverbrauch). So wird der vor Ort produzierte Strom auch hier verbraucht. Die gewählte Energieversorgung stellt den CO2-freien Betriebe der Überbauung sicher.
Das Regenwasser soll in der neuen Überbauung vor Ort gespeichert, versickert und verdunstet werden. Das kühlt die Luft und entlastet die Kanalisation. Indem das Dachwasser direkt in Retentionsmulden fliesst und der Regen in Wassertonnen gesammelt wird, hat jedes Gebäude genug Wasser für die Bewässerung des Gartens. Die naturnahen Grün- und Freiräume mit überwiegend wasserdurchlässigen Belägen ersetzen die bisherige unversiegelte Fläche ungefähr in gleicher Grösse.
Zusätzlich zur Arealentwicklung plant die Gemeinde, das Unterstufenareal teilweise zu entsiegeln und ökologisch aufzuwerten. Die Grün- und Freiflächen der neuen Überbauung im Zusammenspiel mit der beabsichtigten Aufwertung des Schulareals verbessern das Lokalklima gegenüber der heutigen Situation mit Gärtnerei, Waschanlage, Garagenboxen und versiegeltem Schulareal.
Die Erschliessung erfolgt ab der Chutzenstrasse in eine unterirdische Einstellhalle. Wo genau sich die Einfahrt befindet, ist noch nicht definitiv geklärt. In der Tiefgarage sind 0.7 Parkplätze pro Wohnung, was innerhalb der zulässigen Bandbreite von 0.25 bis 2 Abstellplätze gemäss kantonalem Baugesetz liegt. Konkret sind gemäss aktuellem Planungsstand 37 Parkplätze vorgesehen und zusätzlich 8 Parkplätze für die Gewerbenutzung. Für Velos stehen überdurchschnittlich viele Abstellplätze zur Verfügung, oberirdisch und im Untergeschoss. Für Autos und Velos gibt es ausreichend Lademöglichkeiten. Entlang der Chutzenstrasse sind fünf Besucherparkplätze vorgesehen.
Die geplante Überbauung erfüllt in mehrfacher Hinsicht die Ziele der Nachhaltigkeit. An zentraler Lage entsteht dringend benötigter Wohnraum in ökologischer Bauweise und mit hohem Anteil emissionsfreier Mobilität. Die kompakte Anordnung der Gebäude, flächeneffiziente Wohnungsgrundrisse sowie langlebige und unterhaltsarme Materialien schonen die Ressourcen. Die unterbaute Fläche liegt weitgehend unter den Gebäuden, wodurch in weiten Teilen des Areals genügend Wasser versickern kann (Schwammstadt-Prinzip). Der ökologisch hochwertige Grünraum fördert die Biodiversität. Offene Vorzonen, Laubengänge, Wohngassen und die Öffnung zum Dorfplatz begünstigen den sozialen Austausch. Für die Überbauung wird ein Label nach SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz) angestrebt. Dies wird im Rahmen der weiteren Projektbearbeitung vertieft.